AutorThema: Zweikreisbremse entlüften für Alleinschrauber - Vor- und Nachgeschichte und gesammelte Erfahrungen
AvaTar

geschrieben am:
25.03.2018 21:17

...also, ich hab jetzt sooo viel Bremsflüssigkeit durch meinen Iwan durchgejagt, dass ich doch mal bissel berichten muss. Ich hab so manches dazugelernt.

Das Drama fing an, als ich einen hinteren Radbremszylinder wechseln musste und dies allein - GANZ ALLEIN - bewerkstelligen wollte. Bekanntermaßen hat die Zweikreisbremse des 2140 so seine Tücken. Aber ich dachte, das krieg ich schon hin. Irgendwie. Neben dem Standard-Werkzeugsatz steht mir noch ein Kompressorkessel zur Verfügung, mit dem ich Druckluftwerkzeug betreiben kann.
Ich kaufte mir also ein Unterdruck-Entlüftungsgerät - Packungsbild im Folgenden abgebildet. Ich war der Meinung, damit krieg ich die Zweikreisbremse adäquat ausgetrickst. Prinzipiell musste ja auch bloß das bissel hintere Leitungen entlüftet werden, wo bissel was raustropfte, wolang kein Bremszylinder verschraubt war.
Aber: Denkste! Ich bekam es partout nicht hin, dass mit diesem Unterdruckgerät blasenfrei Bremsflüssigkeit aus dem Entlüfternippel kam. Da es sich um den linken hinteren Radbremszylinder handelte, konnte ich dann tatsächlich entlüften, indem ich mit so ner Art Besenstiel auf Bremspedal drückte! Muss schaurig ausgesehen haben, was ich da tat. Die Ernüchterung kam nach dem Zusammenbau und Probefahrt: das Bremsgefühl war einfach unschön, teigig, und das Bremspedal fing dann auch irgendwann an, beim Halten des Drucks manchmal durchzusinken - wenn auch nicht immer. Den technischen Hintergrund habt ihr in meinem anderen Frage-Thread verfolgen können. Darum soll es hier nicht nochmal gehen.

Wieauchimmer; ich nahm an, dass ich mir durch die Unterdruck-Entlüftung irgendwas zerschossen hätte. Und dabei kam quasi alles in Frage, was ne Dichtung "nach außen" hatte. Ob der HBZ tatsächlich dadurch erledigt wurde, oder obs nur n Zufall war, sei mal dahingestellt. Letztendlich war es nötig, den zu tauschen, und - wie gesagt - das überraschende Glatteis, auf das ich dabei geriet, könnt ihr nachlesen...

Jedenfalls - und warum ich diesen neuen Thread aufsetze - überlegte ich mir eine neue Methode der Allein-Entlüftung, abgeschaut bei den Profi-Werkstätten: Überdruck. Und ich würde dies hier nicht schreiben, wenn es nicht letztendlich handhabbar und erfolgreich gewesen wäre!
Dazu bastelte ich mir aus einem simplen KFZ-Reifenventil und einem überzähligen Bremsflüssigkeitsbehälterdeckel einen Druckadapter - im folgenden Bild unten vor dem Karton zu sehen. Einfach ein Loch so groß wie in einer Felge gebohrt (Achtung: es gibt unterschiedliche Löcher und unterschiedliche Ventile!) das Ventil mit einem kräftzigen PLOPP! in den Deckel reingezogen, fertig!

Wie läuft das jetzt mit dem Entlüften?
Ganz simpel: Bremsflüssigkeitsbehälter ordentlich auffüllen, Deckel mit dem Ventil fest genug draufdrehen, Kompressor einschalten - dabei ACHTUNG! Nicht zu viel Druck vorgeben! Da das Volumen im Behälter im Gegensatz zu einem Reifen eher klein ist, kann man den Druck mit der Reifendruckpistole kaum regeln! Ich hab mit 2 bis 3 bar Kesseldruck gearbeitet - und dann mit Reifendruckpistole aufs Ventil und Druck drauf - wie gesagt: Aber nicht zu viel! Dann am Entlüfternippel aufdrehen und das Austretende wie üblich mit nem Schlauch in einem Gefäß auffangen. Wenn nötig, noch mal Druck nachgeben.
ACHTUNG! Grade wenn man den Vorratsbehälter nich im Blick hat, etwa unterm Auto an der Hinterachse werkelnd, dann die durchgedrückte Menge nicht unterschätzen! Ist der Vorratsbehälter nämlich leer, dann blubberts und röchelts plötzlich, und man kann von vorne anfangen, weil dann wieder Luft in die Bremsleitungen gedrückt wird. Also immer schön auf den Flüssigkeitsstand achten! Die Profigeräte der Werkstätten füllen immer automatisch nach - mit dieser Lösung muss man das selber manuell erledigen. Und wenn man das im Griff hat, funktioniert das auch!
Was noch zu beachten ist:
Ich hab gemäß Rep-Handbuch auch an der Vorderachse angefangen, das hat sich auch bewährt. Bei den ersten Entlüftunsgvorgängen hab ich zwischendrin auch immer mal das Bremspedal gedrückt, während ein Entlüfternippel offen ist - da die Anlage unter Überdruck steht, ist das auch "alleine" möglich, und es verhindert, dass in dem Bereich Restluftblasen zurückbleiben. Pedaltritt jeweils mindestens einmal bei jedem Bremskreis.
Den Signalgeber-Kolben am besten blockieren, denn wie man den durch Aktionen am Bremspedal wieder in Mittelstellung kriegt, hab ich nicht rausgefunden - oder es ist ne spezielle Macke an meinem Iwan. Sperr-Bolzen hab ich selber gebastelt: Gewinde M10x1,25; mit ner Art "Nase" vorn dran. Nur handfest reindrehen, damit nicht etwa Dichtungen zerdrückt werden könnten.
Die Füllung des Vorratsbehälters genügt für zwei bis drei Entlüfternippel. Erst recht, wenn man die beiden Kreise geschickt kombiniert, da ja auch der Vorratsbehälter ne Trennwand hat. Wie schon erwähnt: Verpennt man aber das Auffüllen - wird also der Behälter leer gedrückt - fängt man von vorne an, was insbesondere bei den vorderen Nippeln überraschend schnell gehen kann. Anfangs wird man das unangenehme Röcheln des leeren Vorratsbehälters öfters hören. Aber wenn man den Bogen einmal raus hat, kommt man mit einem halben bis max einem Liter Bremsflüssigkeit hin für einmal rundum komplett durchspülen.

Also, ich hätt nicht jedesmal jemand zum Pedal-Entlüften zur Hand gehabt. Is halt so als Allein-Schrauber. Mir hat der Druckadapter jedenfalls unglaublich geholfen, während ich dem Unterdruck-Entlüfter nich mehr übern Weg traue.

In diesem Sinne: Fröhliches Schrauben!
AvaTar

geschrieben am:
25.03.2018 21:20

Unterdruck-Bremsenentlüfter und der Eigenbau-Überdruckadapter

Chris601

geschrieben am:
25.03.2018 22:05

Danke für die Erfahrungen. Ich bin zwar auch eher der Alleinschrauber, zum Entlüften musste ich aber bisher nie lange nach einem Helfer suchen. Da geht auch der absolute Laie. Selbst Kinder habe ich schon mal zum Pedaltreten eingespannt gehabt.
AvaTar

geschrieben am:
25.03.2018 22:28

Naja, soviel wie ich in den letzten Tagen entlüftet hab, hätt ich mir irgendwann den Unmut der Helfer(in) zugezogen. Wieder und wieder. Hab hochgerechnet wohl so um die 10 Liter Bremsflüssigkeit durchgedrückt, wenn nich sogar noch öfter/mehr. Und als ich mir die Methode ausdachte, hatte ich tatsächlich überhaupt keine Helfer in der Nähe. Deswegen auch Anfangs der Kauf des Unterdruck-Entlüfters, von dem ich dann enttäuscht wurde.
Einmal hab ich noch mit Helfer per Handbuch-Pedalmethode entlüftet - und ich lernte daraus, dass das Ergebnis das selbe war ...und dennoch länger dauerte und kaum einfacher ist. Und da mein Support irgendwie logischerweise auch anders beschäftigt ist...
Es hat sich schlicht und einfach bewährt! :-)
Chris601

geschrieben am:
25.03.2018 22:32

Du machst mir ja Mut.. Mir steht das unmittelbar bevor. Zum Glück bin ich erst mal noch beschäftigt mit dem Biegen einiger Leitungen und der Monatage selbiger. Aber dann wirds auch bei mir spannend. Und Kniffe gibts beim 2140 wahrlich genug.
Sport-Lu

geschrieben am:
25.03.2018 22:38

Das mit dem Ventil im Deckel hatte ich auch probiert und habe es nicht dicht bekommen.
So ein Unterdruckgerät hab ich auch.Ich mache an die Entlüfterschrauben zwangsweise Bremsenpaste an das Gewinde sonst zieht man da nur Luft und keine Bremsflüssigkeit.Hab s aber bis jetzt nur am Motorrad getestet.
AvaTar

geschrieben am:
25.03.2018 23:04

Ich hatte mit deutlich Untermaß gebohrt. Ist aber schon ne Weile her, deswegen weiß ich das Maß heute nicht mehr. Und man muss darauf achten, dass es eine saubere Bohrung ergibt. In Kunststoff zu Bohren kann auch schnell mal ausgefranst werden oder unrund. Wenn ich mich recht erinnere hab ich damals nen Holzbohrer verwendet.
Auf dem Foto sieht man aber auch, dass ich zusätzlich eine Dich massenhaft verwendet hab. Das war "prophylaktisch", also hab ich's nie 'ohne' probiert. Das war so ne dauerplastische Masse, die bei einem Caravan Fenster-Bausatz dabei war. Ein Rest, der zufällig grad da war. Hatte deren Einsatz fast bereut, da die Bremsflüssigkeit das Zeug teilweise anlöste. Inzwischen hat sich das merkwürdigerweise gegeben, obwohl sie sich immer noch verformen lässt. Ob's was gebracht hat, weiß ich nicht. Ich denke, eine saubere Presspassung ist für die Dichtung womöglich wohl das wichtigere Kriterium.
AvaTar

geschrieben am:
25.03.2018 23:07

Sch*** Autokorrektur!!! Und leider keine Editier-Funktion!
Auf dem Foto sieht man aber auch, dass ich zusätzlich eine Dichtmasse verwendet hab.
Jens H.

geschrieben am:
26.03.2018 14:20

Hier ein nicht zu teuerer Uniahfsatz passt fasst überall

Jens H.

geschrieben am:
26.03.2018 14:21

unterseite

Jens H.

geschrieben am:
26.03.2018 14:22

oberseite

Jens H.

geschrieben am:
26.03.2018 14:22

Vorherige Testreihe undicht zwischen Deckel und Behälter
Jens H.

geschrieben am:
26.03.2018 14:23

Bild vergessen

AvaTar

geschrieben am:
26.03.2018 20:05

Hi Jens, is das selbstgebaut? Wenn ich sowas im Handel gesehen hätt, hätt ich bestimmt zugegriffen. Wieauchimmer - der Vollständigkeit halber noch mein selbstgebauter Blockierbolzen für den Signalgeber. Nachdem die 4mm Stahlkugeln heut in der Post waren (auch im Bild) konnte ich den zu einem Auftritt im Blitzlichtgewitter gewinnen...

 

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